Fragen zur Klinikwahl

Wie wählst du die richtige Klinik für euch?

Ein sehr wichtiger Faktor bei der Geburt ist der Geburtsort.

 

Du als Gebärende musst dich wohl und sicher fühlen. Du solltest Vertrauen in die Personen deines Geburtsteams und in deine Umgebung haben.

 

Für jede Frau ist etwas anderes wichtig und richtig, deshalb lassen sich hierfür pauschal keine Empfehlungen aussprechen.

 

Dein Bauchgefühl sollte die lauteste Stimme bei der Wahl des Geburtsortes deines Kindes sein.

 

Möchtest du nicht zu Hause oder im Geburtshaus entbinden, so empfiehlt es sich, sich möglichst alle infrage kommenden Kliniken im Umkreis genauer unter die Lupe zunehmen.

 

Auch wenn sich deine Schwester, Nachbarin oder Schuhverkäuferin in der Klinik XY wohl gefühlt hat, muss das auf dich nicht zutreffen. Jede Frau legt auf andere Dinge wert, benötigt andere Dinge, um sich öffnen zu können, deshalb solltest du dir in jedem Fall vor Ort selbst ein Bild machen und dann ganz nach deinem Gefühl gehen.

 

Einige Wochen vor dem errechneten Termin solltest du dich in der Wunschklinik anmelden. Der genaue Zeitpunkt ist von Klinik zu Klinik unterschiedlich. Am besten ruft man bereits im zweiten Trimester an und erkundigt sich.

 

Möchte man sich nun vorab ein genaues Bild des Krankenhauses machen, bietet es sich unbedingt an, an einem Infoabend mit Besichtigung teilzunehmen.

 

Zu diesen Veranstaltungen sollte man im Hinterkopf behalten, dass es sich um „Verkaufsveranstaltungen“ handelt, bei denen es Ziel ist, möglichst viele Frauen von der Einrichtung zu überzeugen und das Haus entsprechend gut dastehen zu lassen.

 

Um eine gut informierte Entscheidung treffen zu können, und die Spreu vom Weizen trennen zu können, solltest du dir im Vorfeld überlegen, was dir persönlich wichtig ist und gezielt danach fragen.

 

Hierbei empfiehlt es sich gezielt nach Zahlen und Statistiken zu fragen.

 

 

Mögliche Fragen können sein:

 

Wie viele Geburten finden im Monat statt?

 

Wie viele Hebammen pro Schicht?

 

Wie viele Kreißsäle?

 

Wie viele Personen dürfen mich in den Kreißsaal begleiten?

 

Wie viel Prozent der Frauen entbinden ohne Interventionen?

 

Wie oft kommt es vor, dass eine Hebamme mehrere Frauen gleichzeitig betreut?

 

Wird generell ein Dauer-CTG gemacht?

 

Wie viel Prozent der Frauen erhalten einen Dammschnitt?

 

Wie viel Prozent der Frauen erhalten einen Wehentropf, um die Geburt voranzutreiben?

 

Wie hoch ist ihre Kaiserschnittrate? (Wie viel Prozent davon sekundäre Kaiserschnitte?)

 

Wie viele Frauen entbinden mit PDA?

 

Wird routinemäßig ein Venenzugang gelegt?

 

Ist eine Wassergeburt möglich?

 

Wie viele Frauen entbinden tatsächlich im Wasser?

 

Gibt es ein Wasserfestes CTG, oder wie findet die Herztonüberwachung bei Wassergeburten statt?

 

Wie lange nach einem vorzeitigen Blasensprung wird auf Wehen gewartet, bevor eine Einleitung beginnt?

 

Wie viele Stunden nach dem Blasensprung wird mit der Antibiose begonnen?

 

Begleiten Sie auch Geburten aus der Beckenendlage?

 

Wie viele Geburten aus Beckenendlage finden monatlich statt?

 

Steht rund um die Uhr ein Anästhesist (für das Legen der PDA) zur Verfügung?

 

In welcher Gebärhaltung bekommen Frauen meistens ihre Babys?

 

Werden Frauen aktiv verschiedene Positionen vorgeschlagen?

 

Mit was sind die Kreißsäle ausgestattet? (Gebärwanne, Ball, Tuch, Hocker,…)

 

Gibt es eine Einleitungsstatistik? Wie sieht diese aus?

 

Mit welchen Mitteln wird bevorzugt eingeleitet?

 

Wird die Beschleunigte Ablösung der Plazenta forciert?

 

Bleibt das Kind bei einem Kaiserschnitt im OP bei der Mutter?

 

Wird noch im OP das Bonding möglich gemacht?

 

Wie lange nach der Geburt wird gewartet, bevor das Kind abgenabelt wird?

 

Bekommt mein Kind Medikamente? Augentropfen? Vitamin K?

 

Wie lange nach der Geburt findet die U1 statt?

 

Ist rund um die Uhr ein Kinderarzt im Haus?

 

Gibt es Familienzimmer? – Wie viele?

 

Wird das Stillen aktiv gefördert?

 

Gibt es Stillberatung? (Wie ist diese zertifiziert? Wie oft im Haus?)

 

Sind Sie ein stillfreundliches Krankenhaus, nach UNICEF?

 

Im Falle einer sekundären Sectio, oder eines Notkaiserschnittes, wie schnell ist der OP bereit?

 

Gibt es Beistellbetten für Babys?

 

Sollte das Kind in eine andere Klinik verlegt werden müssen, wie schnell ist dies möglich? Ist eine Begleitung möglich?

 

 

Diese Liste lässt sich beliebig ergänzen und weiterführen.

Für jede Frau sind andere Kriterien wichtig und du solltest unbedingt den Mut finden, alle davon zur Sprache zu bringen.

 

 

Dein Wohlbefinden ist ein unfassbar wichtiger Faktor beim Geburtsverlauf, deshalb sollte die Wahl des Geburtsorts nicht leichtfertig, sondern wohl informiert und gut überlegt getroffen werden.

 

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Tabea | Mama-Baby-Vision (Montag, 21 November 2016 20:21)

    Vielen Dank für diese umfangreiche Liste an Fragen, die so wichtig sind, um die Situation besser einschätzen zu können.

    Bei uns in üblicherweise fahrbarer Entfernung stehen zwei Kliniken zur Wahl, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die eine ist babyfreundlich zertifiziert, es darf aber tatsächlich nur eine Begleitperson mitkommen. Eine Doulabegleitung ist daher nicht möglich. Die andere hat eine sehr hohe Zahl an Geburten und von vielen Mamas höre ich, dass sie dort eher unglücklich waren - zumindest auf Wochenstation.

    Aber letztlich gibt es so viele Schräubchen, an denen sich drehen lässt, so dass eine selbstbestimmte Geburt möglich ist. Das was ihr schreibt finde ich dabei so wichtig - das eigene Bauchgefühl ist ein wichtiger Sensor - wir überhören es nur in der lauten Welt ganz oft.

    Allen lesenden Mamas auf jeden Fall eine super-gute Geburtsvorbereitung und eine vorfreudige Planungszeit <3 ~Tabea